DAS PHONETIK-BLOG [foˈneːtɪkˌblɔk]
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Freitag, 19. Oktober 2007
Gerade entdecke ich diese Seite (Link), auf der ausgewählte Einträge der öffentlich leider nicht zugänglichen ARD-Aussprachedatenbank in Schrift und Ton vorgestellt werden. Das ist eine sympathische Idee, die vielleicht dazu führt, dass bei einem kleinen Kreis von Personen das Bewusstsein weiter wächst, wie gut es wirkt, sich über die korrekte Aussprache eines Begriffs zu erkundigen und ihn hinfort richtig zu artikulieren. Auf der ARD-Seite erwähnt man zu Recht eine Besonderheit der Aussprachedatenbank (ADB): Anders als zum Beispiel in diesem Blog, in dem es mir vor allem auf korrekte Transkriptionen für die Herkunftssprache eines Wortes ankommt, liegt der Fokus der ADB auf Eindeutschungen, die es Sprechern und Moderatoren ermöglichen sollen, mit dem Phoneminventar des Deutschen eine Lautung zu produzieren, die dem jeweiligen Original nahekommt. Das erklärt, warum manche der IPA-Angaben (immerhin IPA!) wenig mit einer korrekten Transkription für die Sprache, aus der ein bestimmter Begriff kommt, zu tun haben. Dass man Orhan Pamuk, den Träger des Nobelpreises für Literatur 2006, [oɾˈhan paˈmuk] ausspricht, habe ich in diesem Blog schon vor mehreren Monaten geklärt. Die ADB besteht darauf, bei der Eindeutschung die jeweils erste Silbe zu betonen – völlig unnötig, wie ich meine. Beim Namen des isländischen Wasserkraftwerk-Projekts Kárahnjúkavirkjun ist zwar die durchaus notwendige Eindeutschung gelungen, die Angabe der isländischen Lautung in Klammern wurde hingegen erheblich simplifiziert. Mir ist unklar, warum diese Pseudo-Originalfassung überhaupt auftaucht, da man offenbar um der Einfachheit willen keine präzise Transkription liefern kann oder will. Für das Isländische ist jedenfalls [ˈkʰauːraˌn̥juːkaˌvɪr̥cʏn] korrekt. Ein paar weitere Merkwürdigkeiten: Die Aussprache der Kerguelen, eines territoire d’outre-mer, soll unbedingt an die französische Lautung [kɛʀɡeˈlɛn] angelehnt werden, obwohl es es eine gängige deutsche Aussprache, nämlich [kɛʁˈɡeːlən], gibt, die es dem Zuschauer leichter machen dürfte, von der Aussprache auf die Schreibweise zu schließen. – Dáil Éireann, das Unterhaus des irischen Parlaments, spricht man selbst dann nicht wie auf der ARD-Seite angegeben, wenn man eine Eindeutschung im Blick hat, sondern im Irischen [ˌdˠaːlʲ ˈeːɾʲən̪ˠ]. – Auch bei der Transkription des bosnisch-serbisch-kroatischen Begriffs Ражњићи bzw. Ražnjići ist ein kleiner Fehler unterlaufen. Richtig ist [ˈraʒɲit͜ɕi] mit palatalem Nasal.

Fazit: Die ARD-Aussprachedatenbank ist eine sinnvolle Einrichtung, der es offensichtlich bisweilen an der nötigen Korrektheit und Präzision mangelt – selbst in ihrem nicht-internen Online-»Showcase«, was ich ein bisschen peinlich finde. Vielleicht nur ich.

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