DAS PHONETIK-BLOG [foˈneːtɪkˌblɔk]
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Freitag, 24. August 2007
Der elfjährige Junge, der in Liverpool erschossen wurde, trägt einen walisischen Vornamen mit der Bedeutung »Begeisterung«. Die korrekte Aussprache des Namens ist [ɹiːs dʒəʊnz]. Der Buchstabe y steht am Anfang eines Wortes oder einer Silbe in der Regel für [j] (wie in yacht oder you). In allen anderen Positionen sind [aɪ] (wie in analyse oder dry), [ɪ] (wie in abyss oder yclept) oder, vor allem im Auslaut, [i] (wie in ability oder funny) möglich. Der Langvokal [iː] in Rhys wurde aus der walisischen Aussprache übernommen, die – je nach Region – [hrɨːs] (im Norden) bzw. [hriːs] (im Süden) lautet. – Der traurige Anlass bietet phonetisch Interessierten übrigens die Gelegenheit, auf den Websites britischer Fernseh- und Radiosender Musterbeispiele für Scouse, den Dialekt der Liverpudlians [ˌlɪvəˈpʌdliənz], zu hören. Dabei ist zum Beispiel das sogenannte flat a auffällig, das in Varietäten des Englischen zu hören ist, die den trap-bath split nicht aufweisen. Wörter wie bath oder sad lauten dann [baθ] bzw. [sad] – statt, wie in der Received Pronunciation, [bɑːθ] und [sæd]. Ein weiteres phonetisches Merkmal, das Scouse von der englischen Standardaussprache abhebt, ist die Realisierung des Phonems /r/ als [ɾ] statt als [ɹ]. Markant ist zudem die Artikulation des Phonems /k/, vor allem am Wortende, als [x]. So erzählen zum Beispiel die Fußballkumpane des getöteten Jungen, ihr Freund sei gerade aus dem Urlaub in [məˈjɔːxə] zurückgekommen. Ein Wort, das zwei der phonetischen Besonderheiten vereint, nämlich das flat a und den velaren Frikativ, ist back, das RP-Sprecher [bæk] sprechen, Scousers hingegen [bax].

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