DAS PHONETIK-BLOG [foˈneːtɪkˌblɔk]
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Montag, 18. Juni 2007
Gemeint ist die Past-Simple- bzw. Past-Participle-Form des englischen Verbs to shine. Die meisten Wörterbücher verzeichnen als einzige Aussprache [ʃɒn] bzw. [ʃɑːn] als Variante mit amerikanischer Vokalqualität. Meine Beobachtungen und die Onlineausgabe des Merriam-Webster (Link) widersprechen dem: Die verbreitetste Lautung der Verbform in den Vereinigten Staaten ist [ʃoʊn]. Vor kurzem hörte ich einen Amerikaner das Gedicht Musée des Beaux Arts des englischen Dichters W. H. Auden rezitieren. In der vierten Zeile des letzten Teils, der im Folgenden zu lesen ist, sprach er shone diphthongisch aus:

In Breughel’s Icarus, for instance: how everything turns away
Quite leisurely from the disaster; the ploughman may
Have heard the splash, the forsaken cry,
But for him it was not an important failure; the sun shone
As it had to on the white legs disappearing into the green
Water; and the expensive delicate ship that must have seen
Something amazing, a boy falling out of the sky,
Had somewhere to get to and sailed calmly on.
(Vollständiges Gedicht und Gemäldeabbildung: Link)

Sogleich wurde seine Aussprache korrigiert, und tatsächlich: In diesem Stück Lyrik ist die Lautung [ʃɒn] obligatorisch, um den Reim mit on in der letzten Zeile zu bewahren. Vielleicht hätte man von vornherein einen Briten das Gedicht lesen lassen sollen: Auden, rezitiert von einem Amerikaner, klingt so passend wie Allen Ginsbergs Howl mit britischem Akzent.

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21. Januar, 15:07
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