DAS PHONETIK-BLOG [foˈneːtɪkˌblɔk]
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Freitag, 4. Dezember 2009
Wörter-[buːx] XIV [Fester Link zum Beitrag]
  • Traian Băsescu: [traˈjan bəˈse̞sku]
  • Colgate: [ˈkoʊ̯lɡeɪ̯t] (engl.) bzw. [kɔlˈɡaːtə] (dt.)
  • Lienz: [ˈliːɛnt͜s]
  • Maribor: [ˈmaːribɔr]
  • Millî Görüş: [miˈlʲi ɡʲø̞ˈɾyʃ]
  • György Sebestyén: [ɟørɟ ˈʃɛbɛʃceːn]
  • Vaihingen: [ˈfaɪ̯ɪŋən]
  • Herman Van Rompuy: [ˈɦɛrmɑn vɑn ˈrɔmpœy̑]
Anmerkung zu Colgate: Deutschland ist eine ›Insel‹ in Europa. Hier spricht man den Namen dieser Zahnpasta nicht nach amerikanischem Muster aus, dem etwa im Niederländischen oder Französischen zu folgen versucht wird. Interessanterweise besteht die Entsprechung des englischen Diphthongs [oʊ̯], der auf früheres [oː] bzw. [ɔː] zurückgeht, nicht immer im längeren ›O‹-Laut der jeweiligen Sprache; so heißt es im österreichischen Deutsch, das den bundesrepublikanischen Sprachgebrauch weder übernimmt noch beeinflusst, eher [ˈkɔlɡeːt] als [ˈkoːl-] – jedenfalls bei Sprechern, die versuchen, die Laute des Englischen auf native Phoneme abzubilden. Italiener und Spanier sprechen, wie die Deutschen, das Produkt aus, als habe es einen einheimischen Namen: [kolˈɡate] bzw. [kolˈɰate].

Anmerkung zu Herman Van Rompuy: Am Abend des 19. 11. 2009 muss in vielen deutschen Fernseh- und Radioredaktionen wieder gedacht worden sein: »Hätte es denn kein anderer werden können?« Nicht, dass der belgische Premierminister als künftiger EU-Ratspräsident für unqualifiziert gehalten würde – aber der Name! Dementsprechend kreativ fielen die ersten Ausspracheversuche aus – mal näher am niederländischen Original, bei einigen Brüsseler Korrespondenten, mal weiter davon entfernt, wie bei Gabi Bauers Versuch [fan ˈrɔmpui̯]. Inzwischen haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender wohl auf [fan ˈrɔmpɔɪ̯] als Eindeutschung geeinigt. Ich hätte für eine stärkere Annäherung an die Originalaussprache plädiert, aber auf dem Boden der deutschen Phoneme und deren üblicher Realisierungen, auf dem sich ›tagesschau‹ & Co. bewegen, ist nicht wesentlich mehr möglich. Das Niederländische bereitet dabei nicht viel weniger Schwierigkeiten als manch – germanozentrisch gesehen – ›abseitigere‹ Fremdsprache. Zu dessen belgischer Varietät ist ohnehin anzumerken, dass die ›nackten‹ IPA-Symbole teilweise nur einen Anhaltspunkt geben, wie der Laut tatsächlich klingt: Das [ɑ] ist, genauer gesagt, ein [ɑ̽], das [ɛ], präziser angegeben, ein [ɛ̝̈], und hinter dem Diphthong [œy̑] verbirgt sich so etwas wie [ɞ̞ʏ̯̽]. Das sind etwas größerere Abstände als üblich zwischen im Mittel produziertem Laut und verwendetem Zeichen.

Letzte Aktualisierung:
21. Januar, 15:07
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