Freitag, 20. Juli 2007
Rosamunde Pilcher [Fester Link zum Beitrag]
Ich habe zufällig gelesen, dass in einem anderen Blog (Link) vor einer Weile hierher verwiesen wurde. Gerne erfülle ich den Wunsch, die Aussprache von Rosamunde Pilchers Namen zu kommentieren. Ich gehe davon aus, dass die alte Dame folgende Lautung selbst verwendet: [ˈɹɒzəmənd ˈpɪltʃə]. Ebenfalls möglich wäre im Englischen [ˈɹəʊzəmənd] für den Vornamen. Im deutschsprachigen Raum hingegen, wo die Autorin sehr populär ist, wird ihr Name fast immer [ˈʁoːzamʊndə ˈpɪlçɐ] gesprochen. Warum? Dies dürfte unter anderem mit dem Publikum zusammenhängen, das Pilcher bedient. Das Genre des trivialen Liebes- und Familienromans, dem ihre Bücher zuzurechnen sind, spricht mehrheitlich alte und relativ ungebildete Leser an, die mangels Fremdsprachenkenntnissen die Übersetzungen der Romane lesen. Da der Name durchaus auf eine deutsche Autorin hindeuten könnte, wird – behaupte ich – von vornherein nicht wahrgenommen, dass es sich um eine englische Schriftstellerin handelt. In den bildungsbürgerlichen Kreisen, durch deren linguistisches Interesse sich in der Regel die korrekte Lautung fremdsprachlicher Namen verbreitet, ist es verpönt, Pilcher-Bücher oder deren Verfilmungen zu kennen. Der Standard für die Aussprache, wenngleich wohl aus Unkenntnis oder Desinteresse entstanden, wurde also offenbar von denjenigen gesetzt, die Pilchers Werke tatsächlich konsumieren, und von vielen anderen übernommen.



Halldór Kiljan Laxness [Fester Link zum Beitrag]
Vor isländischer Phonetik kapitulieren die meisten Mitteleuropäer – ohne Grund. Die Laut-Buchstaben-Zuordnung ist relativ regelmäßig, die Betonung und die Vokallänge sind vorhersagbar. Der Name des Literaturnobelpreisträgers von 1955 beispielsweise spricht sich [ˈhaltou̯r ˈcʰɪljan ˈlaxsnɛs]. Im Isländischen gibt es keine Paare aus stimmhaften und -losen, sondern aus aspirierten und unaspirierten Plosiven. Sämtliche Nasale sowie [r], das als Trill gesprochen wird, und [l] haben stimmlose Allophone im entsprechenden Kontext. Von den sechs Buchstaben, die einen Akutakzent tragen können, stehen drei für einen Diphthong: á für [au̯], ó – wie gesehen – für [ou̯], ú für [ui̯]. Letztere phonetische Qualität nimmt ú allerdings nur vor gi bzw. gj an; ansonsten spricht man [u]. Der Diphthong [au̯] kann vor ng oder nk von einem a ohne Akzent wiedergegeben werden. Das é ist mit der Aussprache [jɛ] verknüpft, í und ý stehen beide für [i]. Der Titel von Laxness’ Romantrilogie Íslandsklukkan (1943–1946; dt. Islandglocke) spricht sich folglich [ˈiːslan̥tsˌklʏhkan]. Der Doppelkonsonant kk wird nicht als Geminate, sondern – wie pp und tt – präaspiriert gesprochen.



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